
Nicht Anwenden bei:
Arterielle Hypertonie, Neigung zu Ödemen/Herzinsuffizienz., Schwere Nieren-/Lebererkrankungen, Hypokaliämie oder Risiko dafür., Schwangerschaft: meiden (Wasser-/Elektrolytverschiebungen)., Kinder >= 12 J. nur kurzzeitig/gering dosiert; Kleinkinder: nicht vorgesehen.
Wechselwirkungen:
Diuretika, Corticosteroide, Laxanzien → additiver Kaliumverlust (Hypokaliämie-Risiko)., Herzglykoside/Antiarrhythmika: Hypokaliämie erhöht Arrhythmierisiko., Antihypertensiva: Wirkung kann konterkariert werden., MAO-Hemmer, Stimulanzien: Blutdruck-/Pulsanstieg möglich (Vorsicht).
Nebenwirkungen:
Bei Übermaß/Langzeit: Hypertonie, Kopfschmerz, Ödeme, Gewichtszunahme, Hypokaliämie (Muskelschwäche, Krämpfe), selten Rhabdomyolyse., Gelegentlich Sodbrennen/Übelkeit.
Schwangerschaft:
Aufgrund möglicher Blutdruck-/Elektrolyt-Effekte nicht empfohlen; Stillzeit zurückhaltend.
Kinder:
Nur kurzzeitig und niedrig dosiert; bevorzugt schleimstoffreiche Hustenkräuter (Eibisch, Isländisch Moos).
Hinweis:
Glycyrrhizin steckt auch in Lebensmitteln (Lakritz, Teemischungen). Gesamtaufnahme berücksichtigen.
Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist weit mehr als nur die Grundlage für Lakritz: Die Wurzel enthält mit Glycyrrhizin und seinen Abbauprodukten charakteristische Saponine, die dem typischen süßen Geschmack und vielen der beschriebenen Effekte zugeschrieben werden. In der traditionellen Pflanzenheilkunde gilt Süßholz vor allem als reizlindernd und schützend für Schleimhäute. Ein warmes Süßholzwurzel-Macerat oder ein maßvoll dosierter Tee legt sich wie ein Film über Hals und Rachen, lindert Kratzen, mindert Hustenreiz und erleichtert das Abhusten zähen Sekrets. Daher taucht Süßholz häufig als „harmonisierende“ Komponente in Erkältungs- und Bronchialtees auf: Es rundet herbere Kräuter geschmacklich ab und unterstützt zugleich die subjektive Beruhigung gereizter Atemwege – ein Nutzen, den viele Sprecherinnen und Sänger schätzen, wenn Stimme und Schleimhäute unter trockener Luft oder hoher Belastung leiden.
Auch im Magen-Darm-Bereich spielt Süßholz seine Stärken aus. Die Inhaltsstoffe können die körpereigene Schleimproduktion anregen, die Schleimhautbarriere stabilisieren und so bei säurebedingten Reizungen ein angenehmeres Gefühl fördern. In Phasen vorübergehenden Magendrucks, Sodbrennens oder nach üppigen Mahlzeiten greifen manche zu Süßholzwurzeltee oder zu deglycyrrhizinierter Süßholzwurzel (DGL) in Tablettenform. DGL ist dabei so aufbereitet, dass ein Großteil des Glycyrrhizins entfernt wurde, um typische Nebenwirkungen zu reduzieren – ein Grund, weshalb DGL häufig für die kurweise, etwas längere Anwendung empfohlen wird, während herkömmliche Süßholzwurzel eher kurzzeitig genutzt werden sollte. In Kräutermischungen sorgt Süßholz zudem dafür, dass bittere oder scharfe Komponenten milder wahrgenommen werden, was die regelmäßige Einnahme magenfreundlicher macht und die Compliance verbessert.
Über die klassische Teeanwendung hinaus findet Süßholz in Sirupen, Lutschpastillen und Gurgellösungen Verwendung, wenn trockene, brennende oder heisere Phasen den Alltag beeinträchtigen. Die leicht spasmolytischen und sekretionsfördernden Effekte werden als wohltuend empfunden, insbesondere wenn die Beschwerden mit trockener Heizungsluft, viel Sprechen oder staubiger Umgebung zusammenhängen. Für Menschen, die empfindlich auf Menthol oder aggressive Desinfektionssprays reagieren, kann ein süßholzhaltiger Ansatz eine sanftere Alternative sein, solange er maßvoll dosiert und nicht direkt vor dem Zubettgehen verwendet wird. In der Küche dient Süßholzextrakt außerdem als aromatische, natürliche Süße und als Geschmacksbrücke in modernen Rezepten – etwa in Marinaden, Gewürzmischungen oder Desserts – wobei die intensive Note sparsam eingesetzt wird, um andere Aromen nicht zu überdecken.
Wichtig ist der informierte Umgang mit möglichen Risiken. Glycyrrhizin kann bei hoher Zufuhr und längerer Anwendung über mineralokortikoide Effekte zu Natrium- und Wasserretention, Blutdruckanstieg, Ödemen und Kaliumverlust führen. Besonders aufmerksam sollten Personen mit Hypertonie, Herz- oder Nierenerkrankungen sein sowie Menschen, die Diuretika, Herzglykoside, Corticosteroide oder andere Medikamente einnehmen, die den Elektrolythaushalt beeinflussen. In Schwangerschaft und Stillzeit wird von Süßholz in pharmakologischen Mengen in der Regel abgeraten. Wer gerne Lakritz isst, sollte bedenken, dass der Glycyrrhizingehalt je nach Produkt stark schwankt und sich auch über Lebensmittel eine relevante Zufuhr ergeben kann. Deshalb gilt für die Heilpflanzenanwendung die Faustregel: kurzzeitig, in moderater Dosierung, mit Pausen – oder auf DGL-Produkte ausweichen, wenn eine längere kurweise Nutzung sinnvoll erscheint.
Wer Süßholz zielführend nutzen möchte, setzt auf Qualität aus Apotheke oder seriösem Fachhandel, achtet auf klare Dosierhinweise und kombiniert die Anwendung mit einfachen Basismaßnahmen: ausreichendes Trinken, luftfeuchte Innenräume, schonende Ernährung und Ruhe für Stimme und Verdauung. Ein erster Test an ruhigen Tagen hilft, die persönliche Verträglichkeit einzuschätzen; bei ungewöhnlichen Symptomen wie Herzklopfen, Kopfdruck, Wassereinlagerungen oder Muskelschwäche wird die Anwendung beendet und ärztlicher Rat eingeholt. Richtig eingebettet zeigt Süßholz, weshalb es seit Jahrhunderten geschätzt wird: als milder Schleimhautschutz für Hals und Magen, als geschmacklicher „Harmonizer“ in Teemischungen und als wohltuende Begleitung in Zeiten, in denen die Schleimhäute mehr Fürsorge und der Alltag etwas sanftere Unterstützung braucht.
Ausdauernde Staude (bis 1,5 m) mit tiefreichenden Rhizomen. Blätter wechselständig, gefiedert; Blüten klein, blasslila bis weißlich in Trauben (Sommer); Frucht: flache Hülsen. Droge: gelblich-braune Rindenstücke/Stäbchen der Wurzel mit sehr süßem Geschmack.
Falsch. Glycyrrhizin kann Blutdruck erhöhen und Kalium senken. Daher nur maßvoll und zeitlich begrenzt anwenden.
Im Gegenteil: Hoher Glycyrrhizingehalt kann den Blutdruck steigern. Empfindliche Personen sollten Lakritz/Süßholz meiden.
Mehr Süßholz erhöht primär das Risiko für Nebenwirkungen. Besser standardgerecht dosieren und bei Bedarf kombinieren (z. B. mit Schleimdrogen).

Rezept:
1–2 g fein geschnittene Wurzel (≈ 1 TL) mit 200 ml sprudelnd heißem Wasser übergießen, abgedeckt 10–15 Min. ziehen lassen; abseihen.
Anwendung:
2–3× täglich bei Reizhusten/Magenreizungen.
Hinweis:
Geschmack sehr süß; gut kombinierbar (z. B. mit Thymian, Eibisch, Kamille).

Rezept:
2 g Wurzel mit 200 ml Wasser 5–10 Min. leise sieden, 10 Min. abgedeckt ziehen lassen; abseihen.
Anwendung:
1–2× täglich, wenn Tee zu mild erscheint.
Hinweis:
Kräftiger Geschmack; bei Hypertonie-Risiko lieber Dosis reduzieren oder DGL erwägen.

Rezept:
Kautabletten/Pulver nach Herstellerangabe (typisch vor Mahlzeiten langsam kauen).
Anwendung:
Kurzzeitig bei säurebedingten Magenbeschwerden.
Hinweis:
Für Personen mit Blutdruck-/Kalium-Risiko oft geeigneter als herkömmliche Zubereitungen.
Ja, traditionell als schleimhautberuhigender, sekretfördernder Bestandteil in Hustentees – oft kombiniert mit Thymian, Eibisch oder Anis.
Glycyrrhizin (→ Glycyrrhetinsäure) hemmt 11β-HSD2, wodurch körpereigenes Cortisol am Mineralokortikoid-Rezeptor wirkt: Natrium/Wasser ↑, Kalium ↓ → Blutdruckanstieg/Ödeme möglich.
Nicht ganz. Lakritz ist ein Lebensmittel; der Glycyrrhizingehalt schwankt stark. Viel Lakritz kann ebenfalls Blutdruck/Kalium beeinflussen – besonders in Kombination mit Süßholztee.
Deglycyrrhinisiertes Süßholz mit stark reduziertem Glycyrrhizin – oft besser für magenbezogene Anwendungen bei Personen mit Blutdruck-/Kaliumrisiko.
Kurweise bis 2–4 Wochen. Bei Bedarf darüber hinaus nur nach fachlicher Rücksprache und Kontrolle (Blutdruck, Kalium).
Gruppe
Triterpensaponin
Gehalt
4–25 % (qualitäts-/artenabhängig)
Löslichkeit
Wasser/Heißwasser gut; bildet Schaum
Evidenz
traditionell/unterstützend
Hinweis
Langzeit-/Hochdosis → Risiko für Hypertonie, Ödeme, Hypokaliämie.
Gruppe
Polyphenole
Gehalt
‰–% je nach Teil/Art
Löslichkeit
Wasser/Alkohol
Evidenz
traditionell
Gruppe
Kohlenhydrate/Phenole
Gehalt
variabel
Löslichkeit
Wasser
Evidenz
traditionell